Die Reise nach Himmelblau (Kinderbuch-Leseprobe)

Leseprobe des ersten Kinderbuch-Abenteuers

Dinosaurier im Kinderbuch "Leuchtturm der Abenteuer 01. Die Reise nach Himmelblau"Immergrün

In einem Wald am Stadtrand steht ein Baum, der niemals seine Blätter verliert. Er hat selbst im eisigsten Winter noch grüne Triebe. Die Anwohner nennen ihn »magische Eiche« und die Stadt verdankt ihr den Namen »Immergrün«. Es soll hier Feen, Waldgeister und andere Zauberwesen geben. Nach einem Ausflug berichten viele Kinder von Begegnungen mit Märchengeschöpfen.

In der Nähe wohnt der achtjährige Michael. Er findet solche Geschichten spannend, weiß aber nicht, ob man sie glauben kann. Ein Zehnjähriger hat ihm mal gemeine Dinge über den Weihnachtsmann erzählt. Trotzdem ist er davon überzeugt, dass es ihn gibt. Als Michael drei Jahre alt war, ist er zu Besuch gekommen und dieses Erlebnis hat ihn stark beeindruckt. Wenn es Märchenwesen geben sollte, sind sie bestimmt schüchtern und man sieht sie nur sehr selten, glaubt er. Michael ist oft zum Spielen im Wald, aber bislang hat er keine Zauberwesen gesehen.

Seine Grundschule ist ein über hundert Jahre alter Backsteinbau mit einem parkähnlichen Garten. Heute bringt ihn seine Mutter Anna zur Schule. Sie gehen durch ein großes Eingangsportal in einen Flur, in dem viele Kinder herumflitzen.

»Ich will noch mit deiner Klassenlehrerin Frau Stein reden«, sagt seine Mutter. »Ich muss noch den Eintritt für den Dino-Park bezahlen.« Michael freut sich sehr auf den Schulausflug morgen, aber etwas bedrückt ihn.

»Mama«, jammert er, »ich möchte nicht, dass Jan mitkommt.« Er findet, dass Jan böse ist.

»Michael, darüber haben wir doch schon geredet«, antwortet seine Mutter. »Jan ist erst seit ein paar Wochen in deiner Klasse. Es ist immer schwer, wenn man neu ist.«

»Aber er schubst und haut und macht alles kaputt!« Michael ist wütend. Versteht sie ihn denn nicht?

»Ich habe mit seiner Tante gesprochen«, erklärt seine Mutter. »Sie sind gerade umgezogen und Jan ist darüber sehr unglücklich.«

»Wieso wohnt er bei seiner Tante?«

»Als er drei Jahre alt war, sind seine Eltern verschwunden.«

»Wohin denn?«

»Das weiß niemand und du erzählst es auch nicht weiter.« Seine Mutter sieht ihn ernst an. »Heute holt dich Papa von der Schule ab.«

»Ich kann alleine gehen«, entgegnet Michael trotzig.

»Ja, aber momentan …« Sie denkt nach. »Momentan ist es besser, wenn du nicht alleine nachhause gehst.«

»Dann gehe ich mit Tim.« Tim ist neun Jahre alt und bereits seit der Kita Michaels bester Freund. Außerdem wohnt er gleich nebenan.

»Es sollte ein Erwachsener dabei sein«, erwidert seine Mutter. In dem Moment bemerkt sie die Klassenlehrerin. Sie gibt Michael einen Kuss auf die Wange und geht zu ihr.

Michael hängt seine Jacke an einen Haken im Flur neben seinem Klassenraum. Er schaut sich um und entdeckt einen Mitschüler aus seiner Nachbarklasse. »Hallo Eduardo«, ruft er. »Tim und ich wollen in der großen Pause noch mit Lichtschwertern kämpfen, willst du mitmachen?«

»Cool«, antwortet der Junge mit den schwarzen Haaren und braunen Augen, »aber ich kann leider nicht. Mein Papa kommt nachher und dann gehen wir zum Rektor.«

»Warum denn?«

»Ich komme nicht mit auf die Klassenfahrt im September. Ich fahre mit meinem Vater nach Amerika und bleibe den ganzen Sommer.«

»Wow«, antwortet Michael begeistert. »Amerika!«

»Mein Papa arbeitet für ein Weltraumprojekt in Florida. Ich kann vielleicht einen Raketenstart sehen.«

»Super«, freut sich Michael für seinen Freund. »Ich muss los und mir einen coolen Ast besorgen, für nachher.«

Bis zur ersten Stunde ist noch etwas Zeit und er flitzt durch den Hinterausgang in den Garten. Seine Jacke braucht er nicht, es ist warm genug. Er schlüpft durch ein Loch im Zaun und geht zum nahen Waldrand. Dort gibt es die besten Äste und Stöcke, weiß er.

Die Taschenlampe

Michael sucht den Boden neben einer uralten, knorrigen Eiche ab. Da bemerkt er ein seltsames, blaues Leuchten, das aus einem großen Astloch kommt. Er schaut hinein und ist erstaunt, dass er durch den Baum hindurchsehen kann. Er sieht einen strahlend blauen Himmel und weiße Wolken. In der Ferne erkennt er einen Leuchtturm, der in den Farben des Regenbogens bemalt ist. Michael steht staunend und mit offenem Mund da, als sein Blick plötzlich verdeckt wird. Eine Hand taucht aus dem Astloch auf, dann eine weitere und zum Schluss ein Kopf. Der Kopf hat spitze Ohren, eine spitze Nase, runde Kulleraugen und schwarze Haare. Die Kulleraugen sehen Michael an und auf einmal sagt das winzige Geschöpf: »Kannst du mir bitte mal helfen?«

Michael ist zu neugierig, um davonzulaufen. So hilft er dem seltsamen Wesen durch das Astloch, wobei es auf wundersame Weise wächst. Zum Schluss steht es neben dem Baum und ist einen Kopf kleiner als Michael. Es trägt ein braunes T-Shirt, eine kurze, karierte Hose und Sandalen. Michael bemerkt auch seine Flügel am Rücken. Staunend schweigt er.

Das Wesen schaut sich verwirrt um. Dann zieht es noch einen winzigen Sack aus dem Loch, der dabei größer wird. Als er draußen ist, stellt er ihn auf den Boden.

»Ich bin Purzel, ein Elfenjunge von Himmelblau«, sagt das Geschöpf. »Ich suche den Sohn von Karl Engel.«

»Mein Papa heißt so«, sagt Michael verwundert. »Das bin ich.«

»Super, dann habe ich was für dich.« Purzel wühlt in seinem Sack, in dem viele Taschenlampen sind. »Hier!« Er reicht ihm eine der Lampen. »Schöne Grüße von meinem Papa Ferel an deinen.«

Michael nimmt die Taschenlampe und schaut sie staunend an. Sie sieht ganz normal aus und hat einen regenbogenfarbenen Griff.

Die magische Taschenlampe (Leuchtturm der Abenteuer)

»Wie heißt du?«, fragt Purzel.

»Michael.«

»Ich habe bei meinem letzten Besuch hier eine Taschenlampe verloren. Kannst du mich rufen, wenn du sie findest?«

»Ja, aber wie denn?«

»Einfach laut in das Astloch rufen«, erklärt Purzel und klettert hinein, wobei er immer kleiner wird. »Bis später«, piepst er noch mit hoher Stimme und verschwindet.

Da bemerkt Michael ein Buch am Boden.

»Warte!«, ruft er Purzel hinterher, doch er kommt nicht zurück. Michael hebt das Buch auf und geht zur Schule.

Michaels Grundschule teilt sich ihren Garten mit einer Kita. Dort hat ein Fußball die Sandburg von Tims vierjähriger Schwester Lisa zerstört. Lisa schimpft wie ein Rohrspatz. Es war Jan!

Michael rennt zum Sandkasten, doch Jan macht sich mit dem Ball aus dem Staub. Michael hilft Lisa noch, den Sand vom Kleid zu bekommen, da ertönt die Pausenglocke. Er muss zum Unterricht.

Das Wunder

Michael sitzt im Schlafanzug auf dem Bett in seinem Zimmer und betrachtet neugierig das Bilderbuch. Seine Taschenlampe liegt neben ihm.

»Noch fünf Minuten, dann geht es ins Bett«, hört er seine Mutter Anna von draußen.

»Ja – ha«, ruft Michael zurück.

Michael schlägt das Buch auf und es redet sofort los. »Hallo, ich bin Billy das Bilderbuch«, sagt es. Erschrocken fällt es Michael aus den Händen.

»Aua«, jammert das Bilderbuch. »Sei bitte vorsichtiger.«

Michael nimmt das Buch und öffnet es erneut. Auf der ersten Seite ist ein Bild von einem Planeten. Das Meer ist blau, das Land gelb, orange und grün und ein Vulkan spuckt rote Lava aus. Das ist ein sehr bunter Planet, findet Michael.

»Das ist Himmelblau«, erklärt Billy. »Dort gibt es Elfen, Zwerge, Piraten, Riesen und viele weitere magische Wesen. Auf der einen Seite des Planeten scheint immer die Sonne, auf der anderen nie.«

»Wahnsinn«, sagt Michael begeistert und blättert nach einiger Zeit um. Das nächste Bild zeigt einen Leuchtturm, der in den Farben des Regenbogens bemalt ist.

»Den kenne ich«, ruft Michael. »Der war im Astloch!«

»Das ist der Leuchtturm der Abenteuer auf Himmelblau«, antwortet Billy. »Dort lebt Purzel mit seinen Eltern.«

Michael blättert staunend weiter und erkennt eine Taschenlampe, die wie seine aussieht.

»Das ist eine magische Taschenlampe«, erklärt das Buch. »Schaut man in ihr Licht, reist man nach Himmelblau.«


(C) Karim Pieritz

Michael probiert die Lampe nachts in seinem Bett aus. Nach einer Schwindel erregenden Reise durch das Weltall findet er sich am „Leuchtturm der Abenteuer“ wieder, da meldet sich lautstark ein leibhaftiger Tyrannosaurus Rex! Purzel erklärt Michael, dass sie den Dinosaurier nachhause schicken müssen. Aber wie sollen sie das anstellen?

Erlebt in der Geschichte, wie Michael seine Angst überwindet und seinem neuen Freund im ersten Abenteuer zur Seite steht.

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