Gefahr in Immergrün (Kinderbuch-Leseprobe)

Leseprobe des 3. Kinderbuch-Abenteuers

Roboter im Kinderbuch "Leuchtturm der Abenteuer 03. Gefahr in Immergrün"Vögel zwitschern in den Bäumen der großen Allee, durch die Michael und sein Vater Karl gehen. Radfahrer flitzen mit leisem Surren an ihnen vorbei.

»Heute ist ein wichtiger Tag«, sagt Karl. »Vielleicht werde ich erfahren, wie der magische Kristall funktioniert.«

»Wirklich?«, fragt Michael.

»Ja«, antwortet sein Vater. Er hält an und beugt sich zu ihm. »Im Forschungszentrum haben wir ein kleines Stück davon aus dem Leuchtturm«, flüstert er. »Das werde ich heute zerstören.«

»Warum?«, fragt Michael. »Und wie?« Er schaut ihn mit offenem Mund an.

»Unter dem Wald von Immergrün ist doch der Teilchenbeschleuniger«, erklärt sein Vater. »Winzige Atome werden darin wie in einer Murmelbahn beschleunigt, krachen zusammen und fliegen in ihren Einzelteilen auseinander. Durch die Bruchstücke erfahren wir, woraus der Kristall besteht und wie er entstanden ist.«

»Hm«, macht Michael.

»Stell dir vor, du wirfst den Todesstern von Tim aus dem Fenster«, sagt sein Vater. »Was passiert dann?«

»Er fliegt auseinander«, antwortet Michael. »Viel schlimmer ist, was dann mit mir passiert. Den hat er ganz neu!«

»Aber so würdest du sehen, woraus er besteht«, sagt Karl.

»Das weiß ich ja schon«, entgegnet Michael. »Ich habe ja Tim dabei geholfen, ihn aus vielen Einzelteilen zusammenzubauen.«

»Ja«, antwortet sein Vater, »jedoch konnten wir nicht dabei zusehen, wie der Kristall erschaffen wurde. Daher müssen wir einen Teil davon zerstören.«

Sie laufen weiter, als Michael plötzlich wieder anhält. »Ich glaube, das wird nicht funktionieren.«

»Warum?«, fragt Karl.

»Als Purzel einen Apfel reingeworfen hat, ging er einfach so hindurch.«

»Um Himmels willen, was ist geschehen? Gab es danach Bratapfel?«

»Nein, er wurde zu einer Tomate«, lacht Michael. »Dann habe ich sie zurückgeworfen und sie wurde eine Kokosnuss.«

»Der Kristall ist das mächtigste Objekt im Universum«, sagt sein Vater ernst. »Damit sollte man nicht herumspielen.«

»Dann sollte man ihn aber auch nicht zerstören.«

»Gelegentlich ist so etwas notwendig. Das ist Forschung.«

»Sachen zerstören?«

»Forscher nennen das ein Experiment. Dadurch verstehen wir die Welt um uns herum besser und können sie auch besser schützen.«

»Wovor denn?«

»Vor uns Menschen. Wenn man die Welt, in der man lebt, nicht versteht, könnte man sie versehentlich zerstören. Das will ich verhindern.«

*

Sie erreichen Karls Arbeitsplatz, das Forschungszentrum von Immergrün. Vor dem Eingangsportal, einem Rundbogen aus gelbem Sandstein, parkt ein Auto auf dem Bürgersteig. Es ist mit farbigen Bildern und der Aufschrift »Radio Immergrün« beklebt. Daneben steht ein großer Mann, der ein buntes Hawaiihemd, Shorts und Sandalen trägt und ein Mikrofon in der Hand hält.

»Doktor Engel«, ruft er aufgeregt und stellt sich den beiden in den Weg. »Ich bin Franz Fröhlich vom Radio Immergrün. Es geht um den Mann, der hier vor einigen Wochen eingebrochen ist. Die Polizei hat mir die Überwachungsvideos zur Verfügung gestellt und mir ist etwas sehr Bedenkliches aufgefallen.«

»Ich habe jetzt keine Zeit«, bemerkt Karl und läuft mit Michael um den Reporter und sein Auto herum. Der Mann folgt ihnen jedoch und wedelt dabei mit zwei Farbfotos.

»Sehen Sie doch, auf dem einen Bild ist der Einbrecher gerade angekommen. Er trägt einen Rucksack auf dem Rücken, der prall gefüllt ist. Sehen Sie?«

Karl stoppt und betrachtet das Foto aufmerksam. Michael stellt sich auf die Zehenspitzen, um einen Blick zu erhaschen. Er sieht einen Mann in einem schwarzen Anzug und einem Filzhut auf dem Kopf, der eine Sonnenbrille in der Hand hält. Seine Augen sind vollständig grün und leuchten von innen. Er starrt einen Wachmann an, der ohnmächtig am Boden liegt. Michael bekommt eine Gänsehaut.

Der Reporter tauscht das Bild gegen ein anderes aus. »Hier geht er wieder und sein Rucksack ist leer! Welcher Einbrecher macht so was?«

Michaels Vater betrachtet das Foto nachdenklich. »Wieso hat das sonst niemand bemerkt?« Er dreht sich zu seinem Sohn. »Kannst du alleine weitergehen? Ich muss mir das hier genauer ansehen und der Hort ist ja gleich um die Ecke.«

»Natürlich, ich bin fast neun Jahre alt!«

»Ich weiß«, lacht Karl und gibt ihm einen Kuss auf die Wange.

*

Auf dem Planeten Himmelblau gibt es im Hafen der Bärenstadt einen Markt, der in der gesamten Milchstraße berühmt ist. Seit jeher trifft sich die ganze Stadt auf dem Marktplatz mit seinem großen schmiedeeisernen Tor.

Die 8-jährige Zauberschülerin Sali ist oft hier, um mit ihrer Mutter einzukaufen. Sie genießt die fremden Gerüche und die bunten Farben der Gewürze und Stoffe.

Heute ist sie wieder dort und schlendert mit ihrer zerrissenen blauen Glückshose gemächlich an den Ständen entlang.

Ein Händler schreit: »Haushaltshilfen und alles für jeden Zweck!« Neugierig bleibt sie vor seinem Zelt stehen. Die anderen Bären interessieren sich nicht für ihn und laufen vorbei.

»Was suchst du denn?«, fragt er und sieht sie an. »Möchtest du eine Haushaltshilfe?«

Sali schaut sich nervös um und flüstert: »Haben Sie vielleicht einen Raumanzug?«

Der Händler ist ein großer Bär mit dunkelbraunem Fell. Er trägt eine Weste, einen schwarzen Umhang und hat eine Sonnenbrille auf der Nase. »Komm in mein Zelt, dann zeige ich dir meine Raumanzüge«, brummt er.

Sali sieht sich um und entdeckt ihre Mutter ganz in der Nähe bei einem Obststand.

»Diese roten Knubbel«, sagt ihre Mutter gerade zu einem älteren Bären mit grauem Fell, »sind also Erdbeeren?«

»Ja«, antwortet er und richtet sich stolz auf, »aus meinem eigenen Gewächshaus mit Samen von der Erde.«

Ihre Mutter kostet eine Erdbeere und ruft begeistert: »Köstlich!«

Der Obsthändler lächelt zufrieden, aber als er Salis Blick bemerkt, macht er ein ernstes Gesicht.

»Wenn du einen Raumanzug kaufst, dann gebe ich dir eine Haushaltshilfe kostenlos dazu«, sagt der Bär mit der Sonnenbrille plötzlich. Sali schreckt aus ihren Gedanken auf. Der Händler hält mit einer Pfote die Zeltplane zur Seite.

»Okay«, murmelt Sali. Ohne weiter nachzudenken, geht sie hinein.

Es ist dunkel und riecht nach Heu, wie in einem Zirkuszelt. Der Verkäufer ist verschwunden. Sali sieht undeutlich mehrere große Käfige, in denen sich schattenhafte Gestalten befinden. Langsam gewöhnen sich ihre Augen an die Dunkelheit und sie erkennt, dass in den Käfigen Bären sind. Unter ihrem Fell spürt sie eine Gänsehaut. Sofort bereut sie, mit diesem Fremden in ein dunkles Zelt gegangen zu sein. Sie dreht sich um, aber der Ausgang ist verschwunden. Wo ist sie hereingekommen?

»Hier ist das gute Stück«, sagt plötzlich der Händler, der mit einem weißen Raumanzug vor ihr steht. Sie schaut zum Anzug und dann in das Gesicht des Bären. Seine Sonnenbrille ist verschwunden und seine Augen starren sie an. Sie sind grün, leuchten von innen und drehen sich. Das linke Auge dreht sich im Uhrzeigersinn und das rechte Auge gegen den Uhrzeigersinn. Sali macht einen Schritt zurück.

»Oh, Entschuldigung«, brummt der Bär, »ich vergesse manchmal, die Brille aufzusetzen.« Er holt eine Sonnenbrille aus seiner Westentasche, setzt sie auf und reicht ihr den Raumanzug. »Gefällt er dir?«

Sali nimmt und untersucht ihn. Dann sagt sie enttäuscht: »Das ist ein Kostüm.«

»Aber natürlich«, bestätigt der Händler, »was denn sonst? Willst du etwa einen echten Raumanzug?«

Sali nickt.

»So etwas habe ich nicht«, sagt der Bär. »Da musst du schon zur Erde gehen. Soweit ich weiß, fliegen diese Verrückten ins Weltall. Dabei sollten sie sich ängstlich in ihren Erdlöchern verkriechen. Wenn die wüssten, was sie da draußen erwartet …« Der Händler grinst und zeigt seine gelben Zähne. Sali macht erschrocken einen Satz zurück. Schließlich reicht sie ihm den Anzug mit zitternden Armen.

»Bist du nicht dieses zaubernde Mädchen? Die Schülerin von Bärlo?«, fragt der Bär plötzlich.

»Ja«, haucht Sali leise und geht noch einen kleinen Schritt zurück. Sie schaut sich nervös nach allen Seiten um.

»Was erwartet denn die Menschen von der Erde im Weltall?«, fragt Sali, aber der Händler ist schon wieder verschwunden. Sie zuckt vor Schreck zusammen, als sie hinter sich ein lautes Grunzen hört. Sie dreht sich um und sieht, wie sich zwei Bären in einem Käfig streiten. Sie geht näher an den Käfig heran und schaut hinein. Der linke Bär hat ein braunes Fell und ist jung und kräftig. Der rechte Bär hat ein graues Fell und ist alt und gebrechlich. In einer Pfote hält er einen toten Hasen an den Ohren. Beide tragen nur einen Lendenschurz und haben leuchtend grüne Augen, wie der Händler. Jedoch drehen sie sich nicht.

»Du kaputtmachen!«, brummt der ältere Bär wütend und deutet auf den Sandhaufen zwischen ihnen.

»Ich jetzt Hunger!«, brummt der jüngere Bär zurück. »Will Hasen fressen, JETZT!«

»Erst Pyramide wieder aufbauen!«, schreit der ältere Bär.

»RUHE!«, dröhnt eine Stimme hinter Sali und sie hört daraufhin nur noch ein lautes Piepen. Die Bären setzen sich sofort auf den Boden und zittern vor Angst.

Das Piepen in ihren Ohren wird leiser. Sie dreht sich um und sieht den Händler. Er hält ein Zepter in der rechten Pfote, das dem ihres Zaubermeisters ähnelt. Jedoch ist kein Kristall auf der Spitze, sondern ein leuchtender grüner Stein.

»Begrüßt unsere neue Haushaltshilfe«, brummt er und schaut Sali an. Seine Sonnenbrille ist wieder verschwunden und seine Augen drehen sich wie verrückt. Der Stein auf seinem Zepter leuchtet heller und heller, als plötzlich eine Plane zur Seite geworfen wird und grelles Licht vom Marktplatz hineinfällt.

»Sali!«, ruft ihre Mutter. »Komm sofort hier raus!«

Der Händler hält sich geblendet eine Pfote vor die Augen. Mit der anderen Pfote fuchtelt er mit dem Zepter herum. Sali läuft in das Licht und tastet nach ihrer Mutter. Sie spürt erleichtert, wie sie fest zugreift und sie hinauszieht. Gemeinsam flüchten sie über den Marktplatz.

*

Am großen Eingangstor bleibt ihre Mutter stehen und umarmt Sali weinend.

»Mach so was nie wieder«, schluchzt sie. »Wenn der Obsthändler mir nicht gesagt hätte, wo du hingegangen bist …« Sie drückt Sali fest an sich. Schließlich löst sie die Umarmung und wischt sich mit einer Pfote die Tränen aus dem Fell.

»Tut mir leid«, sagt Sali und schaut zu Boden. »Ich wusste nicht, dass der Bär böse ist.«

»Böse ist gar kein Ausdruck«, entgegnet ihre Mutter und wirft einen ängstlichen Blick in Richtung Zelt. »Mit der Bruderschaft sollte man sich nicht anlegen.«

»Was für eine Bruderschaft?«, fragt Sali mit großen Augen.

»Die Bruderschaft des grünen Mondes. Das sind Zauberer, die auf allen bewohnten Planeten ihr Unwesen treiben«, antwortet ihre Mutter. »Sie verwandeln Leute in Zombies und verkaufen sie als Sklaven.«

»Was sind Zombies?«, fragt Sali.

»Verlorene Seelen ohne Verstand und mit großer Stärke«, erklärt sie.

»Waren sie früher normal?«

»Ja.«

»Dann kann man sie retten?«

»Ich weiß es nicht«, grübelt ihre Mutter. »Ein großer, mächtiger Zauberer könnte das vielleicht. Aber die Bruderschaft würde das nicht zulassen. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in der Bärenstadt. Die Bruderschaft lässt uns Bürger in Ruhe und wir lassen die Bruderschaft in Ruhe.«

»Die Zombies waren doch auch mal Bürger unserer Stadt, oder?«, fragt Sali. »Dann lassen die uns doch gar nicht in Ruhe!«

»Glaub mir«, antwortet ihre Mutter, »diese Leute können schrecklichere Dinge tun, als ein paar Bären zu versklaven.«

»Nur, wenn man sich nicht wehrt!«, entgegnet Sali aufgeregt.

»Denk nicht über so etwas nach«, sagt ihre Mutter. »Du bist ein Kind und musst noch viel über das Leben lernen. Und geh nie wieder mit einem Fremden weg, sonst endest du noch als Zombie.«

»Okay, Mama«, antwortet Sali, »nie wieder.« Sie wirft einen grimmigen Blick zurück auf das Zelt und murmelt: »Nie wieder ohne mein Zepter.«

Gemeinsam gehen sie durch das Tor hinaus.

*

Es ist früher Nachmittag und die Sonne steht hoch über dem Park der Grundschule Immergrün. Es ist warm und windstill und nur wenige Kinder sind im Ferienhort. Michael und Tim beobachten Jan, wie er auf dem Sportplatz mit einem Fußball spielt.

»Komm«, sagt Tim, »wir besuchen meine Schwester. Jan schießt uns sonst wieder einen Ball an den Kopf.«

Sie gehen in den Garten der benachbarten Kita. Lisa sitzt im Sandkasten mit einem Teddybären in einem rosafarbenen Kleid. Er trägt eine dazu passende Haube.

»Der kommt mir bekannt vor«, flüstert Michael.

»Der ähnelt einem Piraten von Himmelblau«, antwortet Tim und runzelt die Stirn.

»Ja«, flüstert Michael, »aber er hat keine Augenklappe.« Er beugt sich zu Lisa herunter.

»Hallo, was hast du denn da?«, fragt er lächelnd.

»Das ist mein neuer Teddy«, antwortet sie und strahlt über beide Ohren. »Der kann sogar brummen, wenn man ihn so hält.« Sie dreht ihren Teddy auf den Kopf und schüttelt ihn heftig an den Beinen. Der Bär macht ein brummendes Geräusch.

»Wo hast du den Bären denn her?«, fragt Michael.

»Gefunden«, antwortet sie.

»Mama sollte ihn mal waschen. Der stinkt«, sagt Tim, hält sich die Nase zu und würgt.

»Am besten in der Kochwäsche«, lacht Michael.

»Dann schrumpft er aber«, entgegnet Lisa. »Duschen ist besser.« Sie zieht dem Bären das Kleid aus, wirft einen Haufen Sand auf ihn und reibt ihn damit ein. Im Anschluss klopft sie ihm kräftig das Fell sauber und zieht ihn wieder an. Die Jungs beobachten sie dabei grinsend.

Nach einer Weile sagt Tim: »Komm, wir schauen uns dein Buch an.«

Sie gehen zu einer Parkbank in der Nähe und setzen sich. Michael schlägt sein magisches Bilderbuch auf.

»Guten Tag«, sagt Billy.

»Guten Tag«, antworten die Jungs wie aus einem Munde.

»Kannst du uns von den Bären erzählen?«, fragt Tim.

»Natürlich«, antwortet Billy lächelnd. »Die Bären waren einfache Bauern und ihr Land war sehr fruchtbar. Als eines Tages die Sonne nicht mehr aufging, vertrocknete das Land und verwandelte sich in eine Ödnis ohne Leben.« Das Buch macht eine kurze Pause.

»Für Zauberei fehlte ihnen der magische Kristall. Um zu überleben, mussten sie sich also anders helfen. Ihre Nahrung bauen sie nun in Gewächshäusern an und die dafür nötige Energie gewinnen sie aus der Wärme des Vulkans.

Um die frühere Hafenstadt herum entstanden unzählige Fabriken. Die Bären waren lange Zeit große Erfinder und bauten unglaubliche Dinge. Sie errichteten schwebende Brücken über das Meer und bohrten gewaltige Tunnel. Sie flogen sogar zum weißen Mond.«

»Wahnsinn«, sagt Tim begeistert.

»Den Bewohnern von Himmelblau wurde klar, dass man zu jedem Ort reisen kann, an dem eine magische Eiche steht«, erzählt Billy. »Deshalb wollten sie auch auf anderen Planeten solche Bäume pflanzen.«

»Keine schlechte Idee«, murmelt Michael.

»Die Bären bauten daher vor langer Zeit ein Raumschiff und schickten es zu allen bewohnten Welten der Milchstraße. Die Reise dauerte viele Jahrtausende und nur ein Roboter konnte das überleben. Er landete auf jedem Planeten und pflanzte die Eicheln ein.«

»Schlau«, sagt Tim.

»Leider vergaßen die Bären all ihr Wissen mit der Zeit und ihre tollen Bauwerke zerfielen zu Staub«, erzählt Billy. »Viele Bären glauben heute nicht einmal mehr, dass sie wirklich auf dem weißen Mond gewesen sind. Jetzt bauen sie nur noch Spielzeuge.«

»Schade«, seufzt Michael.

»Aber ich habe so das Gefühl, dass sich das bald wieder ändern wird«, sagt Billy. »Die Bärenkinder von heute sind sehr schlau und abenteuerlustig. Ich bin mir sicher, wir werden noch von ihnen hören.«

»Was geschah mit dem Roboter, der die Eicheln gepflanzt hat?«, fragt Tim.

»Auf dem letzten Planeten der Reise vergrub er das Raumschiff und sich selbst«, antwortet das Buch. »Dann schaltete er sich ab.«

»Cool«, sagen Michael und Tim gleichzeitig.

*

Obertatze sitzt im Sandkasten und belauscht grimmig die beiden Jungs. Sie blättern in einem magischen Buch, das ihnen Geschichten vorliest. Das Menschenmädchen Lisa baut eine Sandburg.

Bring mir dieses Mädchen zurück, hat Kapitän Urs gesagt. Hat der eine Ahnung davon, wie schwer diese Menschen sind? Ich könnte ja kaum dieses kleine Kind hier wegschleppen, grübelt er.

Lisa legt ihre Buddelsachen zur Seite und betrachtet den Bären nachdenklich. »Du bist gar nicht so kuschelig«, murmelt sie. »Du bist so borstig. Ich muss dich striegeln.« Sie zieht ihm das Kleid am Rücken hoch und kratzt mit einer Plastikharke über sein Fell.

»Gnnh«, macht Obertatze und spannt die Muskeln an.

»Ich muss doller striegeln«, murmelt Lisa.

Von den beiden Jungs hört Obertatze plötzlich lautes Gelächter. Der Blonde ruft: »Weißt du noch den echten Namen von Obertatze?«

Der Schwarzhaarige antwortet: »Pipi oder so?«

»Nein, Pupu«, sagt der Blonde und lacht Tränen. Auch der andere klopft sich auf die Schenkel.

»Es reicht«, brummt Obertatze, »Mädchen ist Mädchen und die hier ist leichter!« Er steht auf und nimmt Lisa ihre Plastikharke weg. Sie starrt ihn mit offenem Mund an, als er die Harke in hohem Bogen wegwirft. Dann zupft er sich sein Kleid zurecht und packt sie. Er wirft sie sich über die Schulter und rennt zum Zaun.

»Hilfe«, schreit sie und strampelt mit den Beinen.

Michael und Tim drehen sich erschrocken um. Der Teddybär im rosafarbenen Kleid trägt Lisa auf seinem Rücken. Er klettert mit ihr durch das Loch im Zaun und verschwindet im Wald.

»Auweia«, keucht Tim entsetzt.

»Wir müssen ihr helfen«, ruft Michael und springt auf. Er wirft das Buch auf die Parkbank und rennt dem Bären hinterher. Tim folgt ihm.

»Nicht schon wieder«, stöhnt Billy, als er auf der Bank landet. »Aua«.

(C) Karim Pieritz

Wird es Michael und Tim gelingen, Lisa zu retten? Und kann Sali dem bösen Zauberer entkommen?

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