Kampf um Himmelblau (Kinderbuch-Leseprobe)

Leseprobe des 6. Kinderbuch-Abenteuers

Kinderbuch 6: Kampf um HimmelblauDer grüne Mond

Seit vielen Jahrtausenden fürchten die Bären, die Bewohner der dunklen Seite von Himmelblau, den grünen Mond. Dort oben leben finstere Kreaturen, die durch das Weltall fliegen können. Das gefährlichste Wesen auf dem Mond ist der »Schatten«. Er ist in einer Pyramide gefangen, doch seine Gefolgsleute von der »Bruderschaft« wollen ihn befreien. Wenn das geschieht, wird er Himmelblau zerstören.

Vor langer Zeit hat der Schatten schon einmal versucht, einen Planeten zu vernichten. Es war der Nachbarplanet Dunkelblau. Eine Frau namens Luise hat sich ihm damals in den Weg gestellt. Der Schatten entführte daraufhin ihre Kinder, doch Luise konnte ihre Liebsten befreien und ihn einsperren. Die Bären vermuten, dass die Frau sehr mächtige Magie genutzt hat, um ihre Kinder vor dem Schatten zu retten. Solche Magie hat ihren Preis und so ist sie in einen tiefen Schlaf gefallen. Die Bären verehren sie bis heute als ihre Schutzheilige und nennen sie »Frau im Mond«. Ein Gehilfe des Schattens, ein böser Zauberer, sucht schon seit langer Zeit nach den Kindern dieser Frau. Er glaubt, dass er mit ihrer Hilfe seinen Meister aufwecken kann.

Das wollen Michael, Tim und Jan verhindern. Die Jungs sind auf den grünen Mond gekommen, um Jans Mutter Luise und Salis Mutter Gala zu retten. Es ist Nacht und gemeinsam laufen sie durch eine mit Kratern übersäte Landschaft. Der Boden ist hart und mit grünen Mondsteinen bedeckt, in denen sich das Licht der Sterne spiegelt. Die Jungs haben Raumanzüge an, ihre Helme tragen sie unter ihren Armen. Sie folgen dem Robotergeneral Besky. Er reicht den Jungs nur bis zu den Knien.

»Was war nur vorhin mit Sausi los?«, fragt Michael. »Sie sah ganz krank aus.«

»So ein Riesen-Schmetterling ist doch ein magisches Wesen, oder?«, fragt Tim. »Vielleicht konnte Sausi nicht länger an diesem bösen Ort bleiben. Ich kann sie verstehen, ich fühle mich hier auch nicht wohl.«

»Stimmt«, sagt Michael, »aber jetzt hat sie uns hier abgesetzt und ist einfach davongeflogen. Wie sollen wir wieder nachhause kommen?«

»So wie ich«, sagt Besky und sieht die Jungs an. »Wir verschwinden alle zusammen durch das magische Labyrinth der Mondpyramide und gehen nach Himmelblau. Im Vulkanland wecken wir die Roboterarmee auf und gewinnen mit ihr den Krieg gegen die Bruderschaft. Leider hat uns der Schmetterling viel zu weit entfernt von der Pyramide abgesetzt, sodass wir jetzt noch einen langen Weg vor uns haben.«

»Aber was ist mit Salis und meiner Mutter?«, fragt Jan. »Wir können sie nicht zurücklassen!«

»Unser Planet ist wichtiger als das Schicksal Einzelner«, antwortet der General und bleibt stehen. Am Horizont geht der Planet Himmelblau auf und es wird langsam hell. »Oh nein!«, stöhnt er.

»Was ist denn?«, fragt Jan und stellt sich neben ihn. Auch Michael und Tim schauen nach vorne. Michael hält seine Hand vor den Planeten und im Gegenlicht erkennt er etwas. Eine Schleifspur im felsigen Untergrund führt zu einem abgestürzten Raumschiff. Es hat die Form einer Rakete. Zahlreiche Trümmer sind über den Boden verteilt. Das Wrack wirft lange Schatten in ihre Richtung. Für Michael sieht es so aus, als würden schwarze Arme nach ihm greifen. Er macht einen Schritt zurück.

»Ich hatte gehofft, wir würden das hier nicht sehen«, sagt Besky und seine Stimme klingt traurig.

»Was ist das?«, fragt Michael.

»Die geheime Mondmission«, antwortet Besky und dreht sich zu den Jungs. »Vor langer Zeit brachen die Bären ins Weltall auf. Eines Tages startete die erste Mission zum weißen Mond. Allerdings war das eine Lüge. Wir wollten die Bruderschaft austricksen und insgeheim auf dem grünen Mond eine Geheimwaffe zünden. Sie sollte den Mond durch eine gigantische Explosion von Himmelblau wegschleudern.« Besky macht eine Pause und schaut betrübt auf den Boden. »Leider ist die Mission gescheitert.«

»Was ist geschehen?«, fragt Jan.

Besky schaut auf. »Der Start verlief erfolgreich. Das Raumschiff nahm Kurs auf den Mond und alles lief gut. Doch beim Landeanflug auf die Pyramide überquerte das Schiff eine große Ebene. Diese Ebene ist nicht grün wie der restliche Mond, sondern tiefschwarz. Wir nennen sie das Meer des Grauens. Als das Schiff darüber flog, bekam es Probleme. Es wurde regelrecht zerdrückt von Kräften, mit denen niemand gerechnet hatte. Dem Kapitän gelang es mit Mühe, am Rand der Ebene abzustürzen. Wir waren so dumm. Wir hatten tatsächlich geglaubt, dieses Ding«, er zeigt auf den Boden und die Landschaft um sich herum, »wäre ein Mond.«

»Aber was ist es dann?«, fragt Jan. »Vielleicht eine Raumstation?«

»Das ist kein Mond«, sagt Tim und hebt seine Hände, dabei macht er große Augen.

»Alles klar, Obi-Wan«, lacht Michael.

Besky schüttelt den Kopf. »Dieser Mond ist in Wahrheit das, was von einer Sternenexplosion übrig bleibt.«

»Eine Sternenexplosion?«, staunt Michael. »Eine Supernova?«

»Was bleibt denn von einer Sternenexplosion übrig?«, fragt Tim.

»Ein kleiner Stern, der kaum leuchtet und sehr schwer ist«, antwortet Besky.

»Krass«, sagt Jan und schaut sich um. Mittlerweile ist Himmelblau vollständig über dem Horizont aufgegangen und sein Licht taucht die Landschaft in ein helles Blaugrün.

»Manchmal jedoch wird ein Stern so schwer, dass er alles verschlingt, was sich ihm nähert«, erklärt Besky. »Ich fürchte, dieser Mond ist ein Schwarzes Loch.«

»Ach du Schande«, stöhnt Michael.

»Aber wieso können wir hier herumlaufen?«, fragt Jan. »Wir müssten längst tot sein.«

»Vor langer Zeit erreichte das Schwarze Loch den Planeten Dunkelblau. Damals war sein Geist noch nicht mit einem Menschen verbunden«, sagt Besky.

»Du meinst Felix, den Freund von meinem Vater?«, fragt Jan.

»Ja«, antwortet Besky. »Der Vater von Felix war ein sehr mächtiger Zauberer. Nach einer Legende war er es, der mit einem Zauberspruch aus einem Buch das Schwarze Loch in einen Mond verwandelt hat. Das Buch spielt für die Elfen eine wichtige Rolle und man nennt es seitdem das Schwarze Buch.«

»Meinst du das Buch vom Deckengemälde in der Drachenburg?«, fragt Michael.

»Ja«, antwortet Besky. »Der Zauberspruch veränderte das Schwarze Loch so, dass es weniger gefährlich wurde und andere Planeten nicht mehr anzog wie ein Magnet. Leider hat das beim Meer des Grauens nicht funktioniert. Dieses Meer verhält sich immer noch wie ein Schwarzes Loch und ist extrem gefährlich.«

»Dann sollten wir nicht dahin gehen«, sagt Michael.

»Zu spät«, stöhnt Jan. Er steht auf einem Felsblock und schaut in die Ferne. Besky und Michael folgen ihm. Eine tiefschwarze Ebene breitet sich scheinbar endlos nach links und rechts aus. Darüber schwebt eine Pyramide mit einer funkelnden Spitze.

»Was ist das denn?«, fragt Michael. »Fliegt die Pyramide in der Luft?«

»Nein«, antwortet Besky. »Das ist eine Täuschung. Das Licht der Pyramide wird vom Meer des Grauens abgelenkt.«

»Das sieht wie eine Fata Morgana aus«, sagt Jan.

»Wie kommen wir auf die andere Seite?«, fragt Michael.

»Gar nicht«, sagt Besky, »wir haben versagt. In zwei Stunden geht Himmelblau unter und in weiteren zwei Stunden geht Himmelblau wieder auf. Dann wird die Pyramide den Planeten in Stücke reißen.«

»Ohne den Stein der Riesen?«, fragt Michael. »Wie soll das gehen?«

»Glaubt ihr wirklich, dass dieses kleine Bärenmädchen und ihr geflügelter Freund die Bruderschaft aufhalten können?«, fragt Besky. »Wir müssen realistisch sein.«

»Sali wird das schon schaffen«, sagt Jan, »die ist cool.«

»Genau«, sagt Michael, »wie Purzel.«

»Nein«, entgegnet Jan, »Purzel ist nett, Sali ist cool.«

»Quatsch«, schimpft Michael, »Sali ist nett und Purzel cool.«

»Kinder«, sagt Besky, »selbst wenn das Bärenmädchen Erfolg hat …«

»Das Bärenmädchen und Purzel«, ergänzt Michael.

»Wie auch immer«, stöhnt Besky, »wir haben ein ganz anderes Problem. Ein Lebewesen kann auf dem grünen Mond nicht länger als 3 Stunden sein, ohne sich in einen Zombie zu verwandeln.«

»Woher weißt du das so genau?«, fragt Jan.

»Die Mondmission«, antwortet Besky und schaut zum Boden. Er dreht sich zum abgestürzten Raumschiff. »Die Besatzung hatte den Absturz überlebt. Die drei Bäronauten brachten die Geheimwaffe mit einem Fahrzeug zur Pyramide und wollten sie dort zur Explosion bringen. Sie wollten sich für ihre Heimat opfern. Doch der Weg war zu weit und nach genau drei Stunden brach der Kontakt ab.«

»Was ist ein Mondzombie?«, fragt Jan.

»Mondzombies sind noch unbesiegbarer als normale Zombies und ihre Kräfte übersteigen jede Vorstellung«, antwortet Besky. »Sie kehrten mit einem magischen Schwert durch das Labyrinth nach Himmelblau zurück. Zusammen mit ihrem Anführer Zata herrschten sie als seine Ritter über die Bärenstadt. Die drei Ritter waren grausam und gnadenlos zur Bevölkerung. Es war eine dunkle Zeit. Mit ihrem Schwert konnten sie eine angreifende Roboterarmee in einen Haufen Schrott verwandeln. Nur König Purzel und sein Schild Reflektor waren ihnen gewachsen. In einer letzten Schlacht gelang es ihm, die drei Mondzombies im Vulkanland zu besiegen. Eine Höhle stürzte über ihnen ein und begrub sie für alle Zeiten. Doch es gibt eine Prophezeiung der Bruderschaft. Es heißt, wenn Zata jemals besiegt werden sollte, dann würden sie aus ihren Gräbern steigen und seine Mission beenden.«

Nach einer langen Pause sagt Michael: »Oje.«

»Wir sind verloren«, seufzt Besky, »und verdammt dazu, die Zerstörung Himmelblaus von hier aus mit anzusehen.«

Jan schaut zum abgestürzten Raumschiff und kratzt sich am Kopf. »Seltsam«, sagt er. »So ein Schiff habe ich schon einmal gesehen.«

»Wo denn?«, fragt Michael und klatscht dann seine Hand gegen die Stirn. »Natürlich«, ruft er, »es sieht aus wie das Raumschiff, dass Obertatze im Wald ausgebuddelt hat.«

»Im Wald von Immergrün?«, fragt Jan.

»Ja«, antwortet Michael. »Wäre das toll, wenn …«

»… wir das jetzt hätten?«, beendet Jan den Satz und grinst. Er nimmt seinen Rucksack ab und wühlt einige Zeit darin herum. Dann holt er ein kleines Raumschiff heraus und hält es in die Höhe. »Tadaaa«, ruft er vergnügt.

»Wahnsinn«, jubelt Michael und schaut zu Besky. »Kannst du das vergrößern?«

»Nein«, antwortet Besky, »ich hab das Schiff vorhin schon bemerkt, als ihr mich im Rucksack transportiert habt. Die Energie ist erschöpft.«

»Oh«, sagt Jan und senkt den Arm. »Die Batterien sind also leer.«

»Könnte man vielleicht die Batterien aus dem abgestürzten Raumschiff nehmen?«, fragt Michael.

Besky dreht sich zu ihm und lächelt. »Aber natürlich könnte man das. Wartet hier auf mich!« Er stapft davon.

»Alles wird gut«, sagt Michael und schaut dem General hinterher. Dann sieht er sich um. »Wo steckt Tim?« Er geht vom Felsen herunter, dann bemerkt er Tim. Er liegt auf dem Bauch und sein Helm neben ihm.

Jan folgt Michael und gemeinsam drehen sie ihn um. Sein Gesicht ist vollständig grün, die Augen geschlossen.

»Tim«, ruft Michael, »was ist denn los?«

»Mir geht es nicht so gut«, stöhnt Tim. Plötzlich leuchtet sein Körper hell auf. Michael und Jan halten sich geblendet die Hände vor die Augen. Als sie wieder hinsehen, ist Tim verschwunden. Stattdessen liegt dort eine Pyramide in der Größe eines Fußballs. Michael nimmt sie hoch und betrachtet sie von allen Seiten. An ihrer Spitze ist ein Haarbüschel und auf einer Seite ist ein flaches Gesicht. Es ist das Gesicht von Tim.

»Oje«, sagt Michael.

»Es hat geklappt«, ruft Besky aus einiger Entfernung. Er steht neben der Treppe einer Rakete. Aus zahlreichen Ventilen zischt Dampf und an der Spitze leuchten kleine Lämpchen auf. »Das Raumschiff ist einsatzbereit. Kommt, wir fliegen los!«

Die Mondpyramide

Michael klemmt sich Tim unter den Arm und steigt mit Jan in die Rakete. Besky startet den Antrieb. Die Jungs werden in ihre Sitze gepresst, nur um wenige Sekunden später in ihren Gurten nach oben gedrückt zu werden. Mit einem »RUMMS« setzt die Rakete auf. Besky öffnet die Luke und hüpft, ohne die Leiter zu benutzen, aus dem Raumschiff. Langsam sinkt er zum Boden, dann geht er zur Pyramide weiter. Jan rutscht wie ein Feuerwehrmann an der Leiter hinunter und wartet auf Michael.

Michael klettert mit Tim unter dem Arm vorsichtig die Leiter hinab. »Das ging ja schnell«, sagt er. »Wir sind gerade erst gestartet, da landen wir auch schon wieder.« Er setzt einen Fuß auf den Boden. »Das ist ein kleiner Schritt für mich …«

»Das hättest du sagen müssen, als du vom Schmetterling geklettert bist«, sagt Jan. »Da hast du diesen Mond das erste Mal betreten.«

»Stimmt«, sagt Michael und dreht sich um. Vor ihm ragt die Mondpyramide in den Himmel hinauf. Sie besteht aus polierten Steinblöcken, in denen sich das Raumschiff spiegelt. Er schaut hoch zur funkelnden Spitze. »Wahnsinn!«

Gemeinsam gehen sie zu Besky, der vor einem verschlossenen Portal steht. Zwei Steintüren blockieren den Eingang. Daneben sind sechs im Kreis angeordnete Steinknöpfe. Auf ihnen sind verschiedene Symbole: Quadrat, Dreieck, liegende 8, Wellenlinien, Blitz, Kreis. In der Mitte ist ein großer Knopf mit einer Bärentatze. Besky drückt wahllos einige Knöpfe, doch nichts geschieht.

Tim zuckt in Michaels Händen. »Bist du wach?«, fragt Michael. Doch Tims Augen bleiben zu.

»Nimm Abschied von deinem Freund«, sagt Besky. »Er ist verloren.«

»Nein«, sagt Michael, »das glaube ich nicht!«

»Es tut mir leid, aber dein Freund hat die Schneckenkrankheit und die ist in jedem Fall tödlich.«

»Warum?«, fragt Michael und streicht besorgt durch Tims Haare.

»Raketenschnecken fliegen nur aus einem Grund nach Himmelblau – sie suchen nach einem Schneckenkörper für ihren Nachwuchs. Wenn sie ein passendes Lebewesen gefunden haben, schleimen sie es voll. Der Schleim verwandelt das Opfer dann in ein Raketengehäuse und das fliegt von alleine zum Nest des Muttertieres.«

»Was?«, fragt Jan. »Man verwandelt sich in ein Raketengehäuse?« Er beugt sich über Tim, dann schaut er Michael mit großen Augen an. »Sieh mal an den Seiten.«

Michael dreht Tim in seinen Händen und betrachtet ihn aufmerksam.

»Siehst du die Symbole?«, fragt Jan. »Das sind dieselben Zeichen wie auf dem Schloss.«

Michael, Tim und Jan vor der Mondpyramide

»Genial«, sagt Besky. »Die Pyramidenschnecken sind der Schlüssel zur Mondpyramide. Wir müssen nur die Zeichen in der richtigen Reihenfolge eingeben.«

»Okay«, sagt Michael. »Wellenlinien, Quadrat, Kreis …« Er dreht Tim um. »Dreieck, Unendlichkeit und Blitz.«

Jan drückt die Knöpfe nacheinander. »Von sowas habe ich immer geträumt.« Er legt seine Finger auf die Bärentatze. »Das ist bestimmt die Enter-Taste.« Er hält gespannt die Luft an und drückt zu. Der Boden unter ihnen bebt und sie schwanken hin und her. In der Pyramide rumpelt und zischt es, da fahren die Steintüren zu den Seiten weg.

Plötzlich reißt Tim die Augen auf. »Hilfe«, stöhnt er. Eine Klappe öffnet sich an seinem Hinterkopf und Michael lässt ihn überrascht fallen. Noch in der Luft schießt ein Düsenstrahl heraus und Tim fliegt davon.

»Aber … aber …«, stammelt Michael und beobachtet, wie Tim mit einem Kondensstreifen am Himmel entlangzieht und in einem nahen Meteoritenkrater verschwindet.

»Da wird wohl das Nest sein«, murmelt Besky. »Leb wohl, Menschenjunge. Und jetzt folgt mir. Ich habe eine Mission zu erfüllen. Danach werde ich durch das Labyrinth nach Himmelblau gehen.« Er geht in die Pyramide.

Jan schaut Michael an. »Was sollen wir tun?«

»Soll Besky doch machen, was er will. Ich gehe Tim suchen.«

»Aber wie sollen wir den Weg durch das Labyrinth finden?«, fragt Jan.

»Ich hab mir gemerkt, welche Knöpfe Besky gedrückt hat«, sagt Michael. »Ich glaube, ich könnte die Rakete auch fliegen.«

»Ich habe eine Idee«, sagt Jan, »ich suche meinen Vater. Vielleicht kann er Tim heilen und uns dann mit Salis Mutter helfen.«

»Okay, dann treffen wir uns hier wieder.«

Jan wendet sich zum Gehen, doch dann dreht er sich wieder um. »Du hast gar nicht oje gesagt.«

»Stimmt«, sagt Michael. »Das sage ich sonst immer.«

»Ich glaube, du wirst langsam cool«, lacht Jan.

Die Raketenschnecken

Michael klettert den steilen Abhang eines Meteoritenkraters hinunter. Er greift nach einem Felsen, da bricht er ab. Michael taumelt und verliert fast den Halt, doch es gelingt ihm, sich an die Felswand zu drücken. Langsam klettert er weiter. »Das erzähle ich noch meinen Enkelkindern«, murmelt er. Nach einigen Minuten erreicht er den Grund des Kraters.

»Geschafft«, seufzt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er dreht sich von der Felswand weg. Vor ihm breitet sich eine neblige Landschaft aus. Seine Füße versinken langsam im feuchten Boden. Er hebt einen Fuß und geht los, dabei zieht er dicke Schleimfäden hinter sich her.

»Igitt, das sieht ja aus wie Schneckenschleim.« Michael bekommt eine Gänsehaut. Wenn Tims Pyramidenkörper hierher geflogen ist, dann ist hier ja das Nest, überlegt er. Dann müssten hier doch …? Er kann nicht weiterdenken, denn aus einer Öffnung im Boden quillt ein schleimiges Wesen: eine gelbe Nacktschnecke. Ihre Stielaugen entdecken Michael und ihr Maul verzieht sich zu einem Grinsen. Sie nimmt Kurs auf ihn.

»Nein«, sagt Michael und stapft davon. »Heute nicht, liebes Schneckchen.«

»Iiik«, macht sie, schaut sich um und stoppt. Dann kriecht sie zielstrebig weg.

»Wo willst du hin?«, fragt Michael und folgt ihr in Richtung Kratermitte. Kurz darauf sieht er, wofür sich das Tier interessiert: Es ist Tim! »Bitte nicht«, fleht er. Zahlreiche weitere Nacktschnecken kommen von allen Seiten auf Tim zu. Michael rennt los und überholt die erste Schnecke, die ihn mit ihren Stielaugen böse anfunkelt. Er schnappt sich Tims Pyramidenkopf und bleibt in der Mitte des Kraters stehen.

»Au weia«, sagt Tim.

»Alles wird gut!« Michael streicht über Tims Haarbüschel.

Kleine, mittelgroße und riesige Nacktschnecken kriechen auf sie zu. Eine ist so groß wie ein Erwachsener. »Oje«, stöhnt Michael, »ich glaub, ich bin doch nicht so cool.«

Die schleimigen Wesen kommen immer näher, da schubst eine Schnecke die andere zur Seite. Die Angegriffene schubst zurück und plötzlich kämpfen alle gegeneinander. Michael traut seinen Augen nicht, denn er steht mitten in einem Ringkampf außerirdischer Monsterschnecken. Michael schleicht an zwei verschlungenen Nacktschnecken vorbei.

Vorsichtig geht er zum Kraterrand, da kreischt auf einmal etwas laut los. Michael stolpert vor Schreck und platscht in den Schlamm. Tim gleitet aus seinen Händen und landet ein paar Meter entfernt von ihm. »Was war das?«, fragt Michael. Er steht auf und wischt sich den Schleim an der Hose ab. Dann schaut er sich um und erstarrt. Aus einer Höhle am entgegengesetzten Ende des Kraters ist eine gigantische Nacktschnecke aufgetaucht. Sie ist gelb mit blauen Flecken und so groß wie ein Schulbus. In ihrem offenen Maul sind zahllose schwarze Zähne und ihre riesigen Stielaugen sehen Michael an. Wieder ertönt das Kreischen und Michael taumelt benommen rückwärts. Er hält sich die Ohren zu, doch der Krach wird immer lauter. Plötzlich ist es still. Die übrigen Schnecken drehen sich gleichzeitig um und kriechen zu ihm.

»Na toll«, stöhnt Michael, »Mama bläst zum Angriff.«

Es gibt einen Knall und Michael sieht zum blaugrünen Himmel hinauf. Drei Raketenschnecken sind aus verschiedenen Richtungen aufgetaucht. Sie vereinigen sich und fliegen in Form eines Dreiecks direkt auf ihn zu. Michael stolpert rückwärts, als er mit dem Fuß gegen Tim stößt.

»Aua«, ruft Tim.

»Tschuldigung«, murmelt Michael und hebt ihn auf, dabei bemerkt er eine Höhle in der Kraterwand. »Vielleicht kann ich da reingehen?« Er dreht sich wieder zum Krater und macht einen erschrockenen Satz nach hinten. Die Schneckenarmee hat ihn fast erreicht und die Raketenschnecken setzen zum Sturzflug an.

»Zeit, zu verschwinden«, sagt Michael. »Hoffentlich ist das keine Sackgasse!« Ohne noch einmal zurückzublicken, geht er in die Höhle hinein.

Ein Raumschiff und ein fliegendes Piratenschiff auf dem grünen Mond

Auch Lena wird zur Heldin

Lenas Puppen sind lebendig und verschwinden nach Himmelblau!

Lenas Puppen sind lebendig!

Lena folgt ihnen in den Elfenwald und dort begegnet ihr ein Pony.

Lena betrachtet das Tier genauer. Es ist ein Zwergpony, das offenbar in einen Eimer mit Farbe gefallen ist, denn es ist strahlend blau. Seine zerzauste Mähne sieht aus, als hätte es eine Begegnung mit einem wahnsinnigen Friseur gehabt. Es schaut Lena tief in die Augen.

»Du bist ja ein Süßer«, sagt Lena und greift vorsichtig mit ihrer Hand nach dem Pferd. »Bis auf die Frisur.« Lena lächelt und streichelt es zärtlich. »Du weißt nicht zufällig, wo das Haus der sieben … ich meine der drei Zwerge ist?«

Das Pony nickt ausgiebig.

Lena grinst. »Das sah eben so aus, als würdest du mich verstehen.«

Wieder nickt das Pony ausgiebig. Dann stupst es Lena mit dem Kopf in die Seite, dreht sich um und entfernt sich etwas. Es schaut zurück und wiehert.

»Klar«, sagt Lena, »du verstehst mich und willst mir jetzt den Weg zeigen.«

Das Pferd nickt und wiehert.

»Alles klar«, sagt Lena und geht los. »Ich folge einem bunt angemalten Pony durch den finsteren Wald, auf der Suche nach lebendig gewordenen Puppen, die bei Zwergen wohnen.«

Sie erreichen eine Lichtung und Lena atmet tief ein. »Endlich Sonne«, seufzt sie. »Im Wald wäre ich sonst noch durchgedreht.«

Das Pony geht in die Knie und wiehert.

»Willst du, dass ich aufsteige?«

Das Pferd nickt.

»Aber wir kennen uns doch kaum«, sagt Lena. »Yakari musste sich mehr bemühen, bis er Kleiner Donner reiten durfte.«

Lena stellt sich breitbeinig über das Pony. Es steht auf, doch sie kann mit dem Pferd zwischen den Beinen immer noch stehen. »Ich glaube, das wird nichts«, sagt sie.

Das Pferd wiehert und geht los. Lena setzt sich und hebt schnell die Beine an. Langsam schleppt sich das Pony vorwärts.

»Ganz ehrlich«, sagt Lena, »du musst mich nicht reiten lassen. Ich kann dir auch zu Fuß folgen.«

Das Pony wiehert nur und schleppt sich weiter, da springt es auf einmal hoch und fliegt in den blauen Himmel hinein.

Lena auf einem Zwergpony

Erlebt zusammen mit unseren Helden den entscheidenden Kampf um Himmelblau.

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